Wettkampf-(traum)-bericht IRONMAN Frankfurt 2010

Morgen Ironman 10:29

IRONMAN Frankfurt oder Challange-Roth, wenn ihr mich fragt, dann sage ich eindeutig, dass ihr die Langstrecke in Frankfurt machen solltet. Warum? Na ganz einfach, Frankfurt ist bereits vorbei, beendet, geschafft, gemeistert, bewerkstelligt, erledigt, fertig und diejenigen, die sich Roth vorgenommen haben, die sind noch dran. ;-)

Ich weiß im Moment nicht, ob ich mit euch tauschen möchte oder ob ich das relaxen mehr genießen soll. Ich glaube, dass ich das Ausruhen augenblicklich vorziehe und daher etwas von spannenden Tagen aus Frankfurt erzähle.
Genau am 04. Juli 2009 war es soweit, drei SCC’ler beschließen für sich, sich das Höllenereignis IRONMAN zu geben. Kurze schmerzlose Anmeldung über das Internet und die permanenten Telefonate wer was wie am liebsten hätte. Da mussten T-Shirt-Größen, Qualiwünsche und Pastapartys geklärt werden und letztendlich stand für Pawel, Christian und Nils fest, nächstes Jahr wollen wir uns „Eisenmänner“ schimpfen. Was wir drei zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, war, dass sich auch Micha und Marita angemeldet hatten und wir somit als Fünfkopfstarke SCC-Riege in Frankfurt für Bambule sorgen würden.
Die Trainingseinheiten wurden immer länger und die Zeit bis zum Wettkampf immer kürzer, so dass wir am 01. Juli 2010 teils im Verband teils alleine die fünfstündige Reise nach Frankfurt auf uns nahmen um in einem ****-Hotel die letzten Tage vor der Oxidierung zu genießen. An dieser Stelle sei noch einmal gesagt, Pawel ist und bleibt ein Organisationstalent wie er im Buche steht. Respekt und Anerkennung für diese Behausung, die sich direkt an der vierründigen Laufstrecke befand.
Sowohl Messebesuch als auch Startnummernabholung verließ ohne Vorkommnisse. Jedoch merkte man bereits hier, dass die Organisation dieses Events etwas Besonderes war. Es funktionierte einfach alles und das ohne große Wartezeiten oder künstlich hervorgerufenen Stress. Es war einfach entspannend. Was an dieser Stelle jedoch noch eingeworfen werden muss, ist, dass die Hessen ein komisches Völkchen sind und bleiben. Möglicherweise liegt es aber auch an der lustigen Stimmung unter den SCC’lern, die wie immer wo wir auftauchen, unsere Berliner Großschnauze zur Schau stellten. Einzelne Mitstreiter aus anderen Vereinen kannten uns jedoch bereits so gut, dass wir an der einen oder anderen Stelle mit den Worten „Oh nein, die Berliner schon wieder“, begrüßt wurden. Bis Freitag, den 02.07.2010, 15.00 Uhr, ging es mir prächtig. Dann passierte es jedoch: Schweißausbrüche, trockener Hals trotz literweiser Wasserschmierung und plötzliche Apathie, anlässlich einer einzigen Besprechung. Es war die Wettkampfbesprechung, die Besprechung, die normalerweise bei anderen Veranstaltungen einfach ausgelassen wird, bewirkte bei mir auf einmal eine Art Ausnahmezustand. Gelegt hat sich diese Anspannung jedoch erst als der Startschuss fiel. Kleinigkeiten, die sonst reine Routine darstellen, wurden zu fast unlösbaren Problemen. Welche Sonnencreme benutze ich wann, was kam nun noch mal in den roten Laufwechselbeutel und wie viel bar Luft ist genug für die Bereifung? Fragen über Fragen und mittenmang die permanente Lustigkeit der anderen, von der man sich doch immer wieder anstecken ließ. Gegessen und getrunken wurde was gefunden wurde, so dass sowohl der Kohlenhydratspeicher richtig voll war und das „Pippi“ richtig klar in den Main fließen konnte. Die wichtigste Nacht, um das Schlafdefizit am Tag der Entscheidung auszugleichen, wurde mit einem 4:0-Sieg der Deutschen Nationalmannschaft eingeläutet und konnte somit nur für murmeltierartige Träume sorgen. Bei mir bildete sich allerdings mal wieder ein Alptraum auf der Netzhaut ab, der sowohl die Wechselzone zum verschwinden brachte, als auch den Fußverlust eines mir sehr nahestehenden Sportfreundes. Schwitzen in der Nacht ist für mich normal, aber bei den zu dieser Zeit in Frankfurt herrschenden Temperaturen und dem so erlebten Film im Kopf schwamm ich mich im Bett für das Event schon mal ein.
Die Nacht vor dem Wettkampf war ruhig und gelassen, so dass wir uns mit dem morgendlichen Frühstück um 04.00 Uhr beruhigt auf den unser aller Saisonhöhepunkt einstellen konnten.

die Todgeweihten

Taxe zum Bustransfer, Bus zur Wechselzone und zu Fuß zum Rad. Alles total gut organisiert, auf einmal gibt es einen lauten Piepton und ein Organisationshelfer teilt dir mit, sie befinden sich jetzt in der Wechselzone, sind gescannt und dürfen diese bis zum Start nicht mehr verlassen. Aber ich wollte …, nichts da, gehen sie in diese Richtung weiter. Wer von euch kennt den Film „Fortress“ mit Christopher Lambert, als er die Sprengkapsel in den Magen geschossen bekommt, ja, so war es hier auch, der schwere Klumpen im Magen wurde immer größer und die Angst zu explodieren immer gegenwärtiger.
Nein, keine Angst, so ein Wettkampf ist doch nicht schlimm, denkt man sich immer wieder, wenn der in die Hose geht machst du einfach noch einen. Noch einen machen? Wo denn, wie denn, die sind doch alle ausgebucht und wo soll ich dann mit meiner antrainierten Energie hin?
Alles nur Gedanken, denn für uns fünf bedeutete es pünktlich um 07.00 Uhr Wasserstart ohne Neoprenanzug. Die Wassertemperatur lag bei gefühlten 38 °C, so dass wir in der Schwimmhaut vermutlich auch verbrannt wären.

Der Mischa nach seinere Lieblingsdisziplin

Nichtsdestotrotz war es für die einen oder anderen Athleten ein Segen für die anderen ein Fluch. Egal wie, schwimmen mussten wir alle und das war bei diesen Massen nicht so einfach. Ich gebe zu, dass ich auf den ersten 200 m zwei Panikattacken hatte, die mir das Gefühl gaben, dass ich als erster SCC’ler bei einer Langdistanz das Zeitige segnen werde und als angeknabberte Wasserleiche Tage später den Badegästen als angeschwemmtes Treibgut die Lust am Planschen nehme. Glücklicherweise haben wir im Trainingslager auf Mallorca aufgepasst, wie man über andere Schwimmer einfach drübersteigt. Na ja, wir haben es da gezeigt bekommen, aber ohne Üben ist das so seine Sache. Ich möchte an dieser Stelle nur anmerken, dass ich es geschafft habe und die 3,8 km Schwimmen mit einem Landgang (vom Veranstalter gewollt) beendet habe.

Pawel am Heartbreak Hill

Die Radstrecke lag mir dann schon mehr und ich musste feststellen, dass der eine oder andere Tipp aus der Vergangenheit für dieses Ereignis recht hilfreich war. Gerne gebe ich dies auch weiter. Im Hochrechnen bin ich einfach Spitze und so ließ ich es mir auch diesmal nicht nehmen die möglichen Durchschnittsgeschwindigkeiten mit dem Energieverbrauch zu dividieren, um dann die Trittfrequenz zu addieren, um anschließend nach einer Kurve, in der ich fast gestürzt wäre, aus dem Zuschauerraum zu hören, schau mal der arme Kerl hat doch sicher einen Platten. Einen Platten, wer? Ich! Nein, dass kann doch nicht sein!?! Aber es war so, ca. 40 km vor der zweiten Wechselzone schlich sich leise und fast unbemerkt die am Morgen so liebevoll eingepresste Luft aus meinem Hinterreifen. Die ganzen Stoßgebete zum Himmel halfen nicht, für mich hieß es auf der Radstrecke zwei Mal Nachpumpen. Nachpumpen ist jedoch immer noch besser als komplett Wechseln (wie es bei Pawel der Fall war). Für mich war an dieser Stelle jedoch klar, dass die Langdistanz ihre eigenen Gesetze macht und man nichts mit Hochrechnen erreicht. Ab dieser Stelle war die mathematische Gehirnhälfte auf „Standby“.
Ohne größere Macken konnte ich dann mein Fahrrad in die behutsamen Hände der zahllosen Helfer geben, um dann mit aufgeladenen Akkus auf die Laufstrecke zu wechseln.

Christian beim Laufen

Christian beim Laufen

Vier Runden galt es hier zu bewältigen. Ich persönlich muss sagen, dass ich die erste Runde als die schönste empfand. Der Grund hierfür ist total einfach, denn ich wurde von Timo Bracht und von Chris McCormack begleitet. Begeleitet hört sich richtig gut an. Na ja, hier muss ich wohl ehrlich sein und darf nicht in Phantasien schwelgen. Sie sind an mir vorbeigeflogen, haben mir nicht mal einen Blick zugeworfen, dabei hatte ich noch ca. eine halbe Runde Nackenschmerzen vom ständigen Umdrehen und Schauen, wann sie denn nun endlich kommen. Als sie dann kamen, konnte ich nicht mal erkennen wie viele Bänder sie denn nun schon haben und ob eine nochmalige Überrundung rechnerisch möglich sei.
Da war das Rechnen schon wieder, jedoch sollte diese Begegnung auch die letzte gewesen sein.
Weiter möchte ich nicht berichten, denn erst jetzt habe ich verstanden, warum das Ding „IRONMAN – Eisenmann“ heißt. Aus meiner Sicht liegt es daran, weil dein ganzer Körper schwer wird wie Eisen und du einfach nicht vorankommst. Jedenfalls glaubt man das. Aufbauende Worte der nicht zu zählenden fremden Zuschauer werden durch die viel wichtigeren emotionsgeladenen Anfeuerungen der bekannten Gesichter abgelöst und treiben dich doch immer noch weiter. Doch dann stehen auf einmal Geister an der Strecke, die da gar nicht stehen dürften, weil man mit denen einen Tag vorher telefoniert hatte und die einem über ihre anschließende Anwesenheit im Dunkeln ließen. Durch dieses Ereignis lief mir und genauso erging es auch den anderen Mitstreitern, ein kalter Schauer über den Rücken, der mir für die ersten zwei Runden ein Dauergrinsen auf mein Gesicht zauberte.

Der mit- und zugereiste Fanclub

Leider verließ mich die Magie auf den anderen beiden Kreisen, so dass mich die Realität der Schmerzen einholte.
Egal wie, ich kann euch nur sagen, dass ich auch die Laufstrecke gemeistert habe und mich somit in die Riege der bestanden IRONMA(Ä)N(ner) einordnen kann.
Für mich ein Erlebnis, dass sich jedoch erst Tage später als das Event schlechthin darstellte.
Ich Grüße euch alle ganz herzlich

Nils Goldhorn

Nils Goldhorn (auch in Vertretung für Marita, Christian, Micha und Pawel)

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Die (Caipi)Fanverfplegung

Ironman-Frankfurt

Ironman Material

Wetter online

Material Timo und Chris

Ironman Team

Siegerehrung Marita

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2 Responses to Wettkampf-(traum)-bericht IRONMAN Frankfurt 2010

  1. Anja says:

    Allen Ironmännern und -frauen herzlichen Glückwunsch!

    Hat Spaß gemacht den Bericht zu lesen :-)

    Sonnige Grüße,
    Anja

  2. Sascha -der aus Hessen says:

    Hi,
    netter Bericht, schön zusammengefasst…
    Hauptsache is ja es hat Spass gemacht, auch für uns Zuschauer wars der längste Tag (in der Woche).
    Abends waren wir ähnlich kapputt wie nach dem Rennen, nur dass wir die Treppen gerade runter laufen konnten und morgens gut aus dem Bett kamen :-)

    Euch Eisenmännern noch weiterhin eine gute Regeneration, und allen weiteren Wettkänpfern die´s noch vor sich haben (in Roth) viel Erfolg!

    Schöne Grüsse aus der Stadt der Bankentürme und Lustiger 4*-Hotels mit Showcooking

    Survival-Zuschauer-Strecken-Guide
    Sascha

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